Das Erste, was sich Babys in den Mund stecken, sind ihre Finger. Bereits im Bauch ihrer Mutter lutschen die Kleinen am Daumen. Sind sie auf der Welt, dauert es allerdings etwa vier, fünf Monate, bis sie ihre Faust oder Gegenstände gezielt zum Mund führen können, um daran zu nuckeln oder darauf zu kauen. „Babys beginnen dann, die Welt mit dem Mund zu erkunden, und testen: Ist der Gegenstand weich oder hart? Kalt oder warm? Schmeckt er süß oder salzig?“, sagt Dr. Michael Mühlschlegel, Kinder- und Jugendarzt in Lauffen. Manche Babys tun das sehr ausgeprägt. Mit Lippen und Zunge probieren sie einfach alles, was sich greifen lässt. Bei anderen Kindern läuft die sogenannte orale Phase weniger intensiv ab. In der Regel endet sie mit etwa eineinhalb Jahren.
Dr. Michael Mühlschlegel ist Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Baden-Württemberg
Solange Babys sich noch nicht selbst fortbewegen, können Eltern die Sinneserfahrungen, die ihr Nachwuchs mit dem Mund macht, gelassen beobachten. Denn die Kleinen bekommen nur die Gegenstände zu fassen, die ihnen Mama oder Papa anbieten – Greifringe aus Holz zum Beispiel oder Kuscheltiere aus Stoff. Hin und wieder sollten Eltern die Lieblingslutschobjekte ihres Kindes reinigen. „Es reicht, diese unter fließendem Wasser zu spülen oder Stofftiere auch mal in die Waschmaschine zu stecken“, erklärt Mühlschlegel. Die Dinge zusätzlich zu desinfizieren ist nicht notwendig. Und keine Panik, wenn das Baby den Greifring seines schniefenden Krabbelfreundes abschleckt: „Es ist nicht der Gipfel der Hygiene, aber es bringt auch niemanden um“, meint der Kinderarzt.
Ralf Sick leitet die Johanniter-Akademie in Berlin. Er konzipiert unter anderem Erste-Hilfe-Kurse für Eltern
Anstrengend wird es für Eltern, sobald ihre Kleinen mobil werden und robbend oder krabbelnd die Wohnung erkunden. Die Erwachsenen müssen nun dafür Sorge tragen, dass ihr Baby nichts in die Hände bekommt, was ihm gefährlich werden kann. „Ich rate Eltern, ihr Kind für die Zeit, in der sie nicht bei ihm sein können, in einen Laufstall zu setzen – zum Beispiel, wenn man unter die Dusche geht oder den Müll hinunterbringt“, sagt Mühlschlegel. Ansonsten gilt: Alles, was nicht für kleine Krabbler bestimmt ist, wegräumen oder hochstellen. „Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie Ihr neugieriges Kind mit einem Nein von gefährlichen Dingen fernhalten können. Das wird schnell zu einem Spiel“, warnt Mühlschlegel. Der kindliche Entdeckerdrang ist wie ein Motor, den ein elterliches Nein nicht abstellen wird.
Besonders gefährlich für Babys und Kleinkinder sind spitze sowie kleine Gegenstände, die eine glatte Oberfläche besitzen: Erdnüsse zum Beispiel, Murmeln, Holz- oder Liebesperlen. „Je kleiner die Sachen sind, umso gefährlicher sind sie, denn ehe man sich’s versieht, gelangen sie in die Luftröhre“, erklärt Ralf Sick, Leiter der Johanniter-Akademie in Berlin, der auch Erste-Hilfe-Kurse für Eltern leitet. Meistens hustet das Kind den Gegenstand wieder aus. Im schlimmsten Fall setzt sich dieser jedoch vor dem Kehlkopf fest, das Kleine bekommt keine Luft mehr. Winzige Liebesperlen können sich auch in den Bronchien festsetzen und verkapseln. Eine Lungenentzündung könnte die Folge sein. Münzen sind meist harmlos, da sie in der Regel einfach die Speiseröhre hinunterrutschen und wieder ausgeschieden werden.
Augen auf beim Spielzeugkauf!
Nicht jedes Spielzeug ist für Babys und Kleinkinder geeignet. Einen Anhaltspunkt geben Eltern verschiedene Prüfzeichen, mit denen Spielsachen ausgezeichnet werden. Den Hinweis, dass etwas nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet ist, sollten alle Eltern ernst nehmen. Denn für diese Altersgruppe muss Spielzeug folgenden Kriterien genügen, wie Experte Ralf Sick betont:
Nicht in Reichweite kleiner Entdecker gehören außerdem Dinge, die giftig sind. Medikamente zählen dazu, Putz- und Spülmittel, Blumendünger, aber auch einige Zimmerpflanzen oder volle Aschenbecher. „Eine verschluckte Zigarettenkippe kann, je nach Tabakdosis, für ein Baby tödlich sein“, erklärt Ralf Sick. Eltern müssen daher besonders aufpassen, wenn sie ihren Nachwuchs draußen auf den Boden lassen. Steckt sich ein Krabbler eine Zigarettenkippe nur kurzzeitig in den Mund, ist das unproblematisch. Kaut er aber länger darauf herum oder war sie bereits nass, können giftige Bestandteile direkt über die Schleimhäute aufgenommen werden. Ansprechpartner für alle Mütter und Väter, deren Kinder etwas Giftiges verschluckt haben, sind die Giftnotrufzentralen oder der Rettungsdienst unter 112.
Eklige Dinge dagegen sind oft weniger schlimm, als man vermutet. Hundefutter etwa, das ein Kind aus dem Napf des Haustiers probiert – wobei die Eltern das aus anderen Gründen verhindern sollten: Der Hund könnte das Kind beißen, um sein Futter zu verteidigen. Oder Dreck und Staubflusen, die es vom Boden direkt in den Mund entsorgt. „Babys schieben sich alles ungeprüft in den Mund. Ekel kennen sie noch nicht“, sagt Mühlschlegel. Und so kann es auch sein, dass sie in einem unbeobachteten Moment Hundekot testen. Eltern schüttelt es da, aber der Experte beruhigt: „Natürlich ist es nicht ideal, wenn Kinder Kot essen, da sich darin Würmer befinden können.“ Das kann gefährlich werden. Meist sind Hunde aber entwurmt, dann kommt es höchstens zu einer Magen-Darm-Infektion. Und meist bleibt es bei dieser einmaligen Erfahrung.
Barbara Weichs / Baby und Familie;
23.02.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, Presse johanniter.de, Mauritius/Angela Reik
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